Über den Titelhelden wurde viel diskutiert. Er hat für mich nicht wirklich als Han "geklickt", was nicht unbedingt an Script und Performance liegen muss. Zum einen erleben wir einen jungen Mann irgendwo zwischen ca. 18 und Anfang 20, die meisten werden bestätigen können, dass in dem Alter noch einiges an Persönlichkeitsentwicklung und dummen Entscheidungen passiert... Zum anderen hält eben kein Darsteller ewig, Veränderung gehören dazu.
Auch wenn "A Star Wars Story" draufsteht, "Solo" käme fast genau so gut ohne den Rest der Saga aus. Wen interessiert's, was das Imperium wirklich tut? Beim Auftauchen des Sternzerstörers bei Kessel denkt man eher "Scheisse, die Cops!" Das färbt an einigen Stellen auf die bekannten Charaktere ab, vor allem Chewbacca zieht aus meiner Sicht den Kürzeren.
Der Film leiht sich die Ästhetik und die Welt der Saga, ohne wirklich Teil von ihr zu werden. Was ich persönlich sogar gut finde, aber dann sollten nicht Bezüge und Auftritte mit der Brechstange hergestellt werden. Nach Lagerfeuer-Romantik, Bluffs am Pokertisch und Überfällen auf Züge wirken beispielsweise der Schlund und sein Bewohner optisch und von der Inszenierung deplatziert und mehr wie aus einem Marvel-Streifen entliehen. Nur noch übertroffen von Qi'ras neuem Chef - 50% reduziert und 100% überflüssig.
Auch wenn es kein Meilenstein für Star Wars ist und auch sonst nicht vor Originalität platzt: Mir bleiben trotzdem überwiegend gute Eindrücke. Unter anderem L3, die in bewährter Tradition viele humanoide Charaktere rechts überholt. Und einige hervorragende Actionszenen, wie das Finale in der Yacht. Selten spürt man so, dass sowohl "Held" als auch "Bösewicht" (Kriminelle sind sie ja beide) um ihr Leben kämpfen müssen.