Jedipedia:Reviews/The Mandalorian and Grogu
Gestern durften wir einer Vorab-Premiere von The Mandalorian and Grogu im Dolby Cinema des Mathäser-Filmpalasts in München beiwohnen. Wir, das sind Zeta Magnus, TheGameTraveller und meine Wenigkeit. Der wohl beste Kinosaal Deutschlands war jedenfalls eine würdige Leinwand für Lucasfilms neusten … Content? Ehrlicherweise hatten wir alle nach dem Abspann gewisse Schwierigkeiten, das zuvor Gesehene als „Film“ einzuordnen. Formal haben wir zwar ein visuelles Werk in einer dreiaktigen Struktur gesehen, doch wie ein „Movie“ fühlte sich das Gesehene nicht wirklich an. Vielmehr wurde man das Gefühl nicht los, in einen Zusammenschnitt dreier – ohne Frage extrem hochwertig produzierter – Serienepisoden hineingestolpert zu sein. Das soll allerdings nicht missverstanden werden: Mit ein wenig gesundem Erwartungsmanagement kann The Mandalorian and Grogu durchaus Spaß bereiten und bildet einen grundsoliden neuen Eintrag in den Star-Wars-Filmkanon. Es ist eben klassisches, unterhaltsames Popcorn-Kino ohne besondere Ausreißer nach oben oder unten. Es folgen unsere – spoilerfreien – Ansichten zu Din Djarins und Din Grogus neuem Abenteuer:
- Keiner liest lange Rezensionen, gib mir das tl;dr!
Für Vertreter des Credos „In der Kürze liegt die Würze“ zunächst ein stichpunktartiger Überblick:
- The Mandalorian and Grogu folgt keinem klassischen Handlungsaufbau, sondern ist episodisch aufgebaut. Der Film folgt drei mehr oder minder voneinander unabhängigen und abgeschlossenen Handlungssträngen.
- Pedro Pascal hatte offenkundig noch weniger Zeit als sonst üblich, um in die Beskar'gam zu schlüpfen. Jedenfalls bemerkt man mindestens drei Verschiedene Träger der Rüstung, was an Größe, Statur und Gang zu erkennen ist.
- Fans der Serie The Mandalorian werden auf ihre Kosten kommen. Bekannte Themen, Figuren und der Look & Feel der Produktion versetzen den Zuschauer direkt zurück in das Serienuniversum.
- Auch „Neu-Fans“ werden auf ihre Kosten kommen: Zwar nimmt sich der Film kaum Zeit, um die Figuren erneut einzuführen, allerdings wird keinerlei Vorwissen vorausgesetzt – die wichtigsten Informationen sind auf der Title-Card enthalten.
- Fans des Erweiterten Universums werden stellenweise sehr auf ihre Kosten kommen – einige Obskuritäten wie etwa der INT-4-Abfangjäger aus Kenners 80er-Jahre-Mini-Rigs haben es in den Film geschafft. Auch Fans der Serie Rebels werden den Film zu schätzen wissen.
- Im Bereich Worldbuilding überzeugt The Mandalorian and Grogu. Gerade Nal Hutta, der Zustand der kriminellen Unterwelt und die cyberpunkige urbane Atmosphäre auf Shakari sind Highlights. Auch bekommen wir das On-Screen-Debüt der bislang nur aus der Literatur bekannten Droiden-Gotra und eine echte Drachenschlange zu sehen.
- Embo und sein Hund sind eine absolute Bereicherung für den Film.
- Gerade die Spannung im zweiten Akt leidet etwas unter der Namensgebung des Antagonisten. Der mühsam aufgebaute Plottwist verpufft dadurch leider etwas.
- Sonderlich viel Handlung ist dem Film nicht zu entnehmen. Er gleicht mehr einer Aneinanderreihung von Kämpfen und Verfolgungsjagden. Eine Ausnahme hiervon ist eine fast zwanzigminütige Passage im dritten Akt, die wir als „Grogus großes Abenteuer“ betiteln würden. Hier beruhigt sich der Film zwar, reißt den Zuschauer dadurch aber auch völlig aus dem Konzept und wirkt eher wie ein Spielzeitfüller.
- Star Wars goes James Bond
The Mandalorian and Grogu beginnt mit einer Szene, die mich sofort in die klassischen James-Bond-Filme der Pierce-Brosnan-Ära zurückversetzt hat: Din Djarin und Grogu stehen inzwischen lose im Dienste der Republik und jagen in deren Auftrag von Adelphi aus imperiale Kriegsverbrecher. In diesem Bestreben brechen sie in eine namenlose Bergfestung auf einem Eisplaneten ein, um dort einen Kriegsherrn des Restimperiums auszuschalten. Dieser etwa zwanzigminütigen Sequenz entstammt ein Großteil des in den Trailern gezeigten Materials. Kaltblütig, elegant und kaum gefordert kämpft sich Din Djarin durch die bewachenden Sturmtruppen, nimmt es an Bord eines AT-RTs mit drei AT-ATs auf. Nach Abschluss der Mission wird er bei der von Sigourney Weaver gespielten Oberst Ward vorstellig und lässt sich für seine wenig subtilen Methoden schelten. Das alles erinnert an den klasssichen Aufbau von Bond-Filmen: Eine Mission als Exposition, die mit dem Rest des Film nur in einem losen Zusammenhang steht, und eine Geheimdienstoffizierin, die den Hauptcharakter zurechtweist, bevor sie ihn auf seine nächste, potenziell tödliche Mission entlässt.
Das setzt sich auch im zweiten Akt des Films nahtlos fort Über das Ziel der neuen Mission ist kaum mehr bekannt, als dass es sich um einen „Commander Coyne“ handeln soll, der den Hutts näher bekannt sein soll. Und so wird Din Djarin über einen Umweg über Nal Hutta (im Hintergrund ist erstmals in einem Film Nar Shaddaa zu sehen!) auf die urbane, etwas cyberpunkige Welt Shakari entsandt, um zunächst Rotta Desilijic, Jabbas aus dem The-Clone-Wars-Film bekannten Sohn aufzuspüren, der sich inzwischen als Gladiator verdingt. Das alles mutet weiter wie der typische Aufbau eines Bond-Films an: „Reise in Metropole A, mach dort Kontakt B ausfindig, lass dich in Club C bringen, nimm dort Handlanger D gefangen, lass dir von ihm beschreiben, wer Schurke E ist, finde ihn und sprenge sein Hauptquartier auf der Insel F in die Luft“. Mehr oder minder genau so kommt es dann auch.
- Dünne Handlung, gehörige Portion Action
Nach den immer dünner werdenden Handlungssträngen der Serie The Mandalorian war allerdings auch nicht unbedingt zu erwarten, dass der Kinofilm mit einer sonderlich komplexen oder ausgefeilten Handlung aufwarten würde. Insoweit schadet ein gesundes Erwartungsmanagement dem geneigten Kinobesucher sicherlich nicht. Wer hingegen eine zweistündige Aneinanderreihung vin Kämpfen und Verfolgungsjagden erwartet und zu schätzen weiß, der kommt vollends auf seine Kosten! Die beste Beschreibung des Films in dieser Hinsicht liefern Din Djarin und Ward im Verlauf des Films sogar mehrfach selbst: „Messy!“
Nun hat man in den vergangenen Jahrzehnten sicherlich auch schon ausgefeiltere Action-Sequenzen gesehen als in The Mandalorian and Grogu. Einige der Szenen bestechen allerdings durchaus mit ihrer Kreativität oder einem gesunden Maß an Humor. Besonders positiv hervorzuheben ist hier sicherlich das teils in den Trailern zu bestaunende „Dejarik-Match“, einer besonders grausamen Form des Gladiatorenkampfs. Dabei werden sämtliche Kreaturen auf die Gladiatoren losgelassen, die für die Spielfiguren des aus Episode IV – Eine neue Hoffnung bekannten Holoschachspiels Dejarik Modell gestanden haben, darunter der Mantellianische Savrip, der Houjix, der Ghhhk, der Ng'ok, die K'lor-Schnecke, der Kintan-Schreiter und der Socorranische Monnok. Ich persönlich fühlte mich hier stark an Asajj Ventress’ Arenaszene in der Zeichentrickserie Clone Wars erinnert – einer meiner Lieblingsszenen aus dieser Serie. Auch Din Djarins Solo-Kampfszenen auf der Eiswelt und auf Nal Hutta sind durchaus sehenswert – immerhin nutzt er seinen Flammenwerfer und sein Messer mehr als einmal und schnetzelt sich in bester Kill-Bill-Manier durch Reihen um Reihen von feindlichen Handlangern. Gleichzeitig spielt der Film durchaus ein wenig mit den Erwartungen – nicht jede Szene, die einen großen Kampf aufbaut, endet auch in einem solchen. Zwischenzeitlich endet das fortwährende Kämpfen aber auch für etwa 20 Minuten. Diese Sequenz lässt sich wohl am besten als „Grogus großes Abenteuer“ betiteln und macht das insgesamt relativ hohe Pacing des Films leider etwas zunichte. Die vielzitierte „Spannungsmaus“ wird hier mehr zu einem „Spannungskamel“ mit mindestens zwei Höckern. Andererseits dürfte Grogu der größte Selling Point des Films sein, insoweit wollte man wohl auch die Grogu-Fans abholen.
- Worldbuilding und Kontinuität
Lucasfilm hat offenkundig aus den indiskutablen Sequel-Filmen gelernt und sich auf seine alten Stärken besonnen – nämlich Worldbuilding und Kontinuität. The Mandalorian and Grogu passt sich der Galaxis an und nicht umgekehrt. Nicht nur hat ein obskures Kenner-Spielzeug aus den 1980er-Jahren, der INT-4-Abfangjäger, seinen Weg in den Film gefunden, sondern auch allerlei andere altbekannte Aspekte der Galaxis und besonders des Erweiterten Universums. Der gesamte Film ist äußerst organisch in den – kanonische – Galaxis eingebettet. So arbeitet etwa nicht nur Embo, sonden inzwischen auch das Verbrechersyndikat Droiden-Gotra für die Hutts, was das Auftreten unzähliger notdürftig reparierter Kampfdroiden erklärt. Auch spiel die von Dagobah bekannte Drachenschlange eine größere Rolle und die Amanin von Utapau haben ebenfalls einen größeren Auftritt. Auch sonst fallen viele interessante Details auf. Einzig eine Chance wurde verpasst: Auf Shakari ist der Verkauf von Salz gesetzlich eingeschränkt, sodass die Bwohner wie zu Zeiten der amerikanischen Prohibition auf Speakeasys wie die Salt Bar ausweichen müssen. Wie ein EU-Kenner wie Dave Filoni hier darauf verzichten konnte, dort wenigstens einen salzsüchtigen Arcona zu platzieren, ist unbegreiflich. Shakari im Übrigen ist allerdings durchaus ei gelungener Schauplatz, nicht zuletzt dank seiner Blade-Runner-Atmosphäre.
- Audiovisuelle Umsetzung
The Mandalorian and Grogu ist ein Film mit einem Budget von knapp 170 Millionen Dollar (darunter immerhin die höchste je gezahlte Filmförderung in Hlhe von knapp 28 Millionen Dollar) und wird diesem Budget visuell auch meistens gerecht. Teils wirken Effekte zwar etwas verwaschen, etwa die AT-ATs zu Beginn des Films, doch im Großen und Ganzen gibt es visuell kaum etwas auszusetzen. Bekannte Elemente wurden kohärent weitergeführt, erstmalig filmisch umgesetzte Elemente sind wiedererkennbar und neue Konzepte sind durchwegs ansprechend gestaltet. Die Kämpfe haben ein – für Star Wars etwas untypisches Pacing, das teils auf Zeitlupenaufnahmen zurückgreift – ein Stilmittel, das bislang in Star Wars weitestgehend fehlte, wenn man von der Schlacht von Mimban in Solo absieht.
Musikalisch war Ludwig Göransson wirklich mutig – und es zahlt sich aus. Anstelle der altbekannten klassischen Klänge der Hauptreihe, für die sich John Williams stilistisch großzügig bei Strawinski, Wagner, Korngold, Holst, Tschaikovsky und Debussy bedient hat, wagt Göransson gleich mehrere Experimente, die auch sehr gut aufgehen. Insbesondere die Szenen auf Shakari sind von 80er-Synthwave-Klängen unterlegt, die wirklich ordenltich Frische in das musikalische Repertoire bringen. Auch sonst fällt die Musik sehr angenehm auf. Auch lohnt es sich, für den Abspann sitzen zu bleiben. Dort hatte Göransson dann nämlich wirklich Spaß und hat unter anderem mehrere verschiedene Folk-Versionen des Shakari-Themas.
Auch der Humor kommt nicht zu kurz – auch wenn man sich über dessen Qualität durchaus streiten darf – ein wirklicher Kritikpunkt ist das allerdings nicht, denn hierzu ist Humor viel zu individuell. Die Mehrzahl der Gags – visuell wie sprachlich – schien im übrigen Publik jedenfalls anzukommen. Gerade unter Beteiligung von Grogu oder den Anzellanern bleibt der Humor allerdings leider etwas kindlich – der stellenweise Slapstick der Prequels war hiergegen noch zahm. Gerade Wiederholungskomik wird groß geschrieben.
- Fazit
Was bleibt also von The Mandalorian and Grogu? Nun, wir hatten alle durchaus unseren Spaß und waren uns auch relativ schnell einig, dass wir den Film erheblich angenehmer als die ungeliebten Sequels fanden. Ob wir ihn besser als Solo einordnen würden, blieb noch offen. Angesichts der etwas dünnen Handlung verbraucht sich der Film leider sehr schnell, sodass der Wiederschauwert etwas leidet. Andererseits hat die Dejarik-Match-Szene das Zeug zum Klassiker und auch sonst stimmen die Schauwerte. Wichtig ist das Erwartungsmanagement beim Kino-Besuch: Erwartet kein cineastisches Meisterwerk, sondern einen kurzweiligen und lockeren Action-Film, der – im Gegensatz zu den Sequels – nichts kaputt macht, sondern einzig existiert, um euch zu unterhalten. Und das gelingt dem Film mit einer gesunden Mischung aus Schauwerten, Action, Humor, Fanservice und einer großen Portion Grogu.
Insgesamt sehen wir den Film im Mittelfeld der Star-Wars-Filme. Wir würden ihm daher eine Wertung im Bereich von 6,5 von 10 Punkten geben.
–– Skippi, Stellvertretend für das Rezensenten-Trio
