Jedipedia:Reviews/Rogue One I

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Das Erwachen der Macht I · Das Erwachen der Macht II · Rogue One I · Rogue One II · Die letzten Jedi I · Die letzten Jedi II · Solo I · Solo II · Der Aufstieg Skywalkers



Gestern durfte ich dem offiziellen Presse-Screening des neuen Star-Wars-Films Rogue One im Cinema München beiwohnen, was ich natürlich sofort in eine – natürlich spoilerfreie – Rezension des Films umgemünzt habe. An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an Disney Deutschland! Die vollständige Fassung dieser Filmkritik findet ihr unter dem Reiter „Hinter den Kulissen“ oben auf dieser Seite.


Lohnt sich der Besuch dieses Films?

Die wohl wichtigste Frage beantworte ich gleich zu Beginn: Ich kann ohne jede Einschränkung sagen, dass ich jedem, der sich gern mit dem Thema Star Wars befasst, dringend zu einem Besuch in einem Kino seines Vertrauens rate. Jemand, der noch nicht so stark mit der Thematik vertraut ist, wird es wohl etwas schwerer haben, dem Inhalt des Films zu folgen, aber auch für Neueinsteiger kann ich guten Gewissens eine klare Empfehlung aussprechen.

Star Wars und Kriegsfilm – Darf Disney das?

Allgemein dürfte sich Rogue One an eine weitaus engere Zielgruppe richten als noch Episode VII – Das Erwachen der Macht vor einem Jahr, aber meiner Meinung nach zeichnete genau diese Variabilität das alte Erweiterte Universum aus – vom Politthriller über die Kinderserie bis hin zum waschechten Horror-Roman wurde den Fans durch die Bank quasi jede Art von Unterhaltung im Star-Wars-Gewand geboten. Und genau das macht für mich auch einen Teil des Reizes aus, den Rogue One verströmt: Eine heroische Gruppe abtrünniger Renegaten stellt sich gegen das schier übermächtige Galaktische Imperium, um eine Möglichkeit zu finden, sein größtes Machtinstrument zu zerstören. Das ist genau der Stoff, aus dem ein guter Kriegsfilm entstehen kann. Müsste man Rogue One auf ein Motiv herunterbrechen, dann wäre das wohl der Widerstreit von Hoffnung und Gehorsam, also exakt die Säulen, auf denen der Konflikt zwischen der Rebellion und dem Imperium aufbaut. Insgesamt kann man sagen, dass der Film allerdings keinesfalls zu kriegsfilmlastig ist, sondern sich gekonnt auf das Wesentliche konzentriert. Eine gesunde Mischung eben.

Verbindung mit der Filmsaga

Auch wenn Rogue One der erste Teil der Star Wars Anthology ist, hat der Film doch starke Verbindungen zur Hauptsaga, die sich mit dem Schicksal der Familie Skywalker befasst. Der Film schafft es, eine Brücke zwischen den Episoden der (leider) eher ungeliebten Prequel-Trilogie und den Filmen der Klassischen Trilogie zu schlagen. Einiges, was zu Beginn von Episode IV – Eine neue Hoffnung noch unklar geblieben ist wird hier logisch erklärt und gekonnt mit den Ereignissen aus den neueren Filmen verknüpft, die im Gegensatz zu dem doch sehr konservativ geratenen Erwachen der Macht weitaus präsenter auftreten.

Rein optisch und methodisch hält sich Rogue One ebenso wie Das Erwachen der Macht stark an die Klassische Trilogie – des einen Freud, des anderen Leid. Gelungen finde ich hier allerdings, dass das Ganze dieses Mal weniger aufdringlich eingeflochten wurde: Die Parallelen finden sich zwar sowohl in der Handlung wie auch in der gesamten Optik zahlreicher Szenen wieder, wurden aber so weit abstrahiert, dass zumindest auf Handlungsebene weitestgehend neue Plots entstanden sind. Was die Szenerie angeht, ist Rogue One wie wohl jeder Star-Wars-Film eine große Aneinanderreihung von Zitaten und Hommagen – oftmals an sich selbst, aber auch, und das habe ich sehr positiv aufgenommen, an völlig themenfremde Filme, darunter einzelne Ausgaben der James-Bond-Reihe wie Goldeneye oder auch klassische Kriegsfilme wie Full Metal Jacket und vereinzelte Werke des großen Meisters Akira Kurozawa.

Zu minimalen Abzügen in meiner Gesamtwertung führt allerdings die Tatsache, dass einige (nicht ohne Spoiler nennbare) Szenen wohl nur aus „Fanservice„ in diesem Film stecken, die Handlung allerdings kaum bis gar nicht voranbringen. Wie schon im vorhinein vermutet finden sich diverse Cameos aus Episode III – Die Rache der Sith und besonders Episode IV – Eine neue Hoffnung, aber auch aus Formaten wie der umstrittenen Animationsserie Rebels. Und Achtung, minimaler Spoiler: Der allseits beliebte Satz „Ich hab da ein ganz mieses Gefühl” darf natürlich auch nicht fehlen. Abgesehen von richtigen und wichtigen Cameo-Auftritten gibt es allerdings auch einige, auf die ich persönlich gut hätte verzichten können. Aber wie schon gesagt: Das stört hier weitaus weniger als noch bei Das Erwachen der Macht und gibt sogar in einigen Fällen Anlass zu Lob.

Umsetzung

Zur filmischen Umsetzung des Stoffs muss man eigentlich nur noch wenig sagen: Ein Team von Kriegsfilm-Veteranen und modernste Technik formen aus Rogue One den optisch wohl sehenswertesten Blockbuster dieses Jahres – zumal Form und Inhalt nur selten so gut miteinander verknüpft werden wie hier. Genaueres dazu werde ich in meiner vollständigen Rezension näher ausführen. An nur wenigen Stellen bemerkt man den Einsatz von CGI wirklich und wenn, dann stört es kaum. Interessante neue Planetenkonzepte gepaart mit kräftigen Faceliftings für die bestehenden lassen eine weitaus dichtere und angenehmere Atmosphäre entstehen als in der wieder sehr geleerten Galaxis von Das Erwachen der Macht – was auch im Vergleich mit der Klassischen Trilogie ein klarer Pluspunkt der Prequels war.

Auch der neue Cast vermag sehr zu überzeugen. Als ich den Film besuchte, war ich zunächst skeptisch, ob ich Felicity Jones, die ich nur wenige Wochen zuvor als die gleichsam brillante wie fehlgeleitete Sienna Brooks in Inferno kennenlernen durfte, tatsächlich als heroische Rebellenführerin ernst nehmen könnte – und siehe da, ich hätte sie kaum wiedererkannt. Ohne Frage erbringt Felicity Jones in Rogue One eine schauspielerische Meisterleistung und verleiht der Figur der Jyn Erso eine ausgesprochene Tiefe. Gleiches gilt für die übrigen Protagonisten, wenngleich doch einige der Hauptfiguren etwas lieblos ausgearbeitet erscheinen, was wohl auch ihrer schieren Anzahl geschuldet ist.

Einiges an Kritik habe ich jedoch für den Antagonisten Orson Krennic und den etwas liederlichen Umgang der Produzenten mit dem Charakter übrig. Sehr gelungen finde ich seine allgemeine Konzeption als der Mann hinter dem Bau des Todessterns. Seine Funktion als Direktor der imperialen Waffenforschung und seine reine Ausstrahlung verleihen ihm weit mehr Autorität, als Snoke, Kylo Ren, Phasma und Hux im vergangenen Jahr zusammengenommen jemals hätten ausüben können. Allerdings sieht man während des gesamten Films doch recht wenig von ihm – und seine Redeanteile halten sich dementsprechend in noch engeren Grenzen. Ich persönlich hätte mir doch einige ausgedehntere Auftritte von Ben Mendelsohns Charakter gewünscht, der im Vergleich zu dem Schurkenquartett in Das Erwachen der Macht einerseits tatsächlich kompetent erscheint und auf der anderen Seite eine echte Gefahr ausstrahlt. Ähnliches gilt für Mads Mikkelsen und seinen Charakter Galen Erso, dem ich einiges mehr an Screentime gegönnt hätte, um besser zur Entfaltung zu kommen. An dieser Stelle sehe ich einiges an Potential verschwendet.

Fazit

Ich bin nach den durchaus vielversprechenden Trailern und dem überragenden Roman Der Auslöser, der die Vorgeschichte des Films bildet, mit relativ hoch gesteckten Erwartungen in Rogue One gegangen und wurde dann auch nicht enttäuscht – es gelingt dem Film, eine optisch wie inhaltlich ansprechende Brücke zwischen alt und neu zu schlagen und in jeder nur erdenklichen Weise zu überzeugen.

Insgesamt wäre ich fast geneigt, dem Film eine Höchstwertung zu geben, jedoch führen die oben genannten Schwächen zu minimalen Abzügen. Insgesamt gebe ich Rogue One eine noch immer überragende Wertung: 9 von 10 Punkten!


Im Gegensatz zu dem (von mir persönlich eher als lästig empfundenen) Erwachen der Macht geht Rogue One mutiger vor und traut sich neue Wege zu. Möglicherweise mag das neue Kriegsfilm-Gewand nicht jedermanns Sache sein, aber im Großen und Ganzen bin ich davon überzeugt, dass dieser Film den weit überwiegenden Teil seiner Zuschauer in ihre Kinosessel fesseln wird.

-– Max alias Skippi