Das Erwachen der Macht/Review1

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Die Macht Erwacht.svg


Disney hat am Dienstag zur Pressevorführung von Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht eingeladen und wir sind dieser Einladung gerne gefolgt. Zusammen mit Joshua von der Jedi-Bibliothek hatte ich die Gelegenheit, mir den neuen Film der Saga vor dem offiziellen Kinostart am Donnerstag anzusehen. Dies hier ist mein Review – natürlich spoilerfrei!



Das wichtigste Vorweg: Der Film war gut. Richtig gut. Vermutlich der Blockbuster des Jahres, obwohl er für mich Kopf an Kopf mit Avengers: Age of Ultron liegt.

Man spricht ja manchmal auch von Filmen, die „instant classics“ sind – so weit würde ich hier nicht gehen. Dafür ist die Erwartungshaltung zu groß, die Perspektive durch alle vorangegangenen Episoden zu weit, um diesen Film ausschließlich für sich selbst zu beurteilen. In Erinnerung wird Das Erwachen der Macht aber auf jeden Fall bleiben, denn hiermit führt man die Klassische Trilogie gekonnt in eine Zukunft, die auch von den kritischsten Fans des alten Erweiterten Universums durchaus als positiv angesehen werden kann. Nichtsdestotrotz gibt es auch einige Kritikpunkte, doch dazu später mehr.

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Zuhause kommen nicht nur Han und Chewie an, denn als Fan findet man sich sofort wieder in der weit, weit entfernten Galaxis zurecht. Wie gewohnt beginnt der Film mit dem ikonischen Lauftext, an dessen Anfang stolz der Schriftzug Episode VII prangt. Doch gleichzeitig beginnen hier bereits die Überraschungen, denn was man dort liest, hatte ich in dieser Form nicht erwartet. Und obwohl die ersten Bilder sofort wieder das Star-Wars-Flair verbreiten, stellt man dem Zuschauer zunächst ausführlich unsere neuen Helden Poe Dameron, BB-8, Finn und Rey sowie die Bösewichte Kylo Ren und General Hux vor und gibt ihnen viel Zeit, sich auf der Leinwand zu entfalten. Erst mit der aus den Trailern bekannten Szene, in der Han und Chewie den Falken betreten, werden nach ungefähr einem Drittel der Laufzeit langsam und sehr behutsam Figuren der Klassischen Trilogie in die Handlung eingeführt. Dabei sind diese zu keinem Zeitpunkt alleine im Mittelpunkt der Handlung, sodass die „Neuen“ genügend Raum zur Entfaltung erhalten.

Generell lässt sich Episode VII auch für die Entwicklung der Handlung viel Zeit. Wir haben uns dabei ertappt, dass wir uns in den tollen Kulissen und spannenden Handlungssträngen derart verloren haben, dass wir uns fragten, wie lange der Film überhaupt noch läuft. Interessanterweise ist die Laufzeit von gut 2 Stunden und 15 Minuten genau die richtige Länge für den Film – ein Gefühl, das man sonst bei wenigen anderen wiederfindet, da dort meist der Eindruck entsteht, man hätte noch mehr Zeit für das Erzählen der Geschichte benötigt. Dementsprechend werden die Wendungen hier überraschend nüchtern und undramatisch präsentiert. Der Zuschauer wird mit diesen auf eine Art konfrontiert, dass sie so normal wirken, wie sie für die handelnden Charaktere sind – eine erfrischende Abwechslung.

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Durch diese Handhabung der Charaktere, den größeren Zeitsprung und die neue Situation in der Galaxis hatten wir über weite Strecken den Eindruck, dass der Film auch funktionieren könnte, wenn kein Star Wars draufstehen würde. Entsprechend benötigt man als Kinogänger kein oder nur sehr wenig Vorwissen, um den Streifen zu genießen, wodurch er zugänglich für Neulinge und alte Hasen ist. Gleichzeitig sprechen wir hiermit auch eine klare Kinoempfehlung für alle Altersstufen (entsprechend der Altersfreigabe) aus, denn die Handlung wird entsprechend des Alters der Darsteller etwas erwachsener und nicht wie bei Die Dunkle Bedrohung aus kindlichem Blickwinkel präsentiert, dennoch gibt es neben den ernsten und dramatischen auch viele lockere und lustige Momente, die zu keinem Zeitpunkt gezwungen oder aufgesetzt wirken. Besonders positiv wirkt das auf mich immer dann, wenn Charaktere genau das aussprechen, was ich selber in einer bestimmten Situation denke – und Poe Dameron liefert in dieser Hinsicht ein Glanzstück ab. Klassische Sätze wie „Ich hab da ein ganz mieses Gefühl bei der Sache…“ runden diesen Eindruck nur noch ab.

Ohnehin waren sowohl Joshua als auch ich der Ansicht, dass Poe der sympathischste der neuen Charaktere ist. Davon abgesehen haben wir selbstverständlich BB-8 sofort ins Herz geschlossen, der sich anders als damals R2-D2 und C-3PO (die natürlich ihre eigenen wunderbaren Auftritte haben) mehr wie ein kleiner Droiden-Welpe verhält und manchmal auch erstaunlich menschliche Reaktionen zeigt. Eindeutig Daumen hoch!

Zudem merkt man den Kulissen und Requisiten an, dass diesmal wieder etwas mehr auf Handarbeit als auf den Computer gesetzt wurde, wodurch nicht nur das klassische Gefühl sondern auch ein Eindruck der Wertigkeit und Berührbarkeit erzeugt wird. Insbesondere beim Landen von Raumschiffen merkt man die Fortschritte einerseits in der Technik, andererseits auch in der Inszenierung dieser Sequenzen, die hier viel dynamischer und realer wirken als noch bei den Angriff der Klonkrieger und Die Rache der Sith vor rund 10 Jahren. Die Umsetzung in 3D wirkte nie störend und verlieh vor allem den Kampfsequenzen eine ungekannte Tiefe. Uns blieb in dieser Hinsicht vor allem der Sternenzerstörer positiv in Erinnerung, dessen spitzer Bug uns aus der Kinoleinwand entgegen ragte. Mal sehen, wie das dann in der 2D-Version wirkt.

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Schließlich sind wir nun jedoch an dem Punkt angelangt, an dem wir auch Kritik üben müssen. Vieles ist neu, nicht nur die Schauspieler, auch die Handlung geht neue Wege. Dennoch drängt sich bei vielen Sequenzen das Gefühl auf, dass sich die Macher zu sehr an Elementen der Klassischen Trilogie bedient und diese wiederverwendet haben. Mein größtes Problem mit dem Film (Vorsicht, möglicher kleiner Spoiler folgt!) ist die offensichtlich größenwahnsinnige Verwendung der Starkiller-Basis als gigantischer Todesstern. Ich hätte mir gewünscht, dass man einen anderen Weg gegangen wäre und versucht hätte, durch etwas anderes als eine neuerliche Iteration der weltenvernichtenden Superwaffe eine reale Bedrohung für den Widerstand und unsere Helden zu erzeugen. Dies gelingt auch anderen Filmen dieses Genres problemlos. Zudem ist bei der aus den Trailern bekannte Kampfszene zwischen Kylo Ren und Finn nicht ohne weiteres nachvollziehbar, wie ein Sturmtruppler derart effizient mit einem Lichtschwert umgehen kann. Allerdings wurde uns versichert, dass die Begleitromane eine Antwort auf diese Frage liefern.

Sowohl Joshua als auch ich sind ohne hochtrabende Erwartungen in den Film gegangen und haben das Kino anschließend zufrieden wieder verlassen. Deshalb ist unser Fazit: 8 von 10 Punkten

Das Erwachen der Macht ist ein wunderbarer Start für die neue Trilogie, jedoch nicht ohne Schwächen. Man merkt dem Film an, dass sich die mehr als drei Produktionsjahre gelohnt haben. Die Besetzung besteht aus altbekannten Größen sowie aus vielversprechenden "Neulingen", von denen man gerne mehr sehen will. Wir sind jetzt schon gespannt auf Episode VIII!

P.S.: Einen kleinen Spoiler müssen wir euch dennoch mit auf den Weg geben: Oberbefehlshaber Snoke ist doch nicht Jar Jar Binks.

-- Michael alias Ben Kenobi