Kanon

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Als Kanon wird der kontinuierliche und aufeinander aufbauende Maßstab von Star-Wars-Geschichten verstanden. Ereignisse und Handlungen, die Bestandteil des offiziellen Kanons sind, gelten innerhalb der Star-Wars-Mythology als „wahr“ oder als so „tatsächlich geschehen“. Ziel des Kanons ist, die vielfältigen Geschichten und fortlaufenden Serien, die in Form von Filmen, Fernsehserien, Büchern, Comics, Videospielen uvm. veröffentlicht werden, so anzuordnen und zu gestalten, dass sie zusammen genommen eine zusammenhängende und widerspruchslose Historie innerhalb des Star-Wars-Universums bilden. Dies bedeutet, dass Charakterentwicklungen und Ereignisse Auswirkungen auf künftige Publikationen haben und im Sinne der Kontinuität berücksichtigt, aufgegriffen oder weiterentwickelt werden müssen.

Nicht alle von Lucasfilm lizenzierten und als offiziell anerkannten Star-Wars-Geschichten sind automatisch ein Teil des Kanons. Die Definition, was zum Kanon gehört und was nicht, hat sich über die Jahre verändert und ist immer wieder Thema kontroverser Diskussionen. Die Unterscheidung verschiedener Kanonstufen erlaubte lange Zeit auch die Implementierung sehr alter Geschichten in den Kanon. Bei Widersprüchen galten stets die Ereignisse aus der nächsthöheren Kanonstufe, an deren Spitze die Star-Wars-Kinofilme Episode I – Die dunkle Bedrohung bis Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter stand. Ergänzt wurden die Filme durch die umfangreichen und vielfältigen Geschichten des Erweiterten Universums, kurz EU genannt. Seit April 2014 ist das Erweiterte Universum nicht mehr Bestandteil des Kanons und wird stattdessen unter der Bezeichnung „Legends“ weitergeführt. Außerdem gilt auch die Abstufung verschiedener Kanon-Ebenen nicht mehr. Die Neuausrichtung sieht vor, dass jede Geschichte – ganz gleich in welchem Medium sie veröffentlicht wird – gleichberechtigt und in einer Stufe zu den Filmen dem Kanon angehört. Aus diesem Zweck wurde 2013 die Lucasfilm Story Group gegründet, eine Redaktion, die dafür Sorge trägt, dass sich neue Geschichten in den Kanon einfügen und diesen widerspruchslos und sinnvoll ergänzen.

Geschichte[Bearbeiten]

Integration des Erweiterten Universums[Bearbeiten]

Der Star-Wars-Kanon ist so alt, wie das Franchise selbst, auch wenn sich dessen Struktur und Gültigkeit über die Jahre stark verändert hat. Das Herzstück des Kanons waren aber schon immer die Kinofilme, die den Dreh– und Angelpunkt für Autoren darstellen, die zu den Filmhandlungen erweiternde Geschichten schreiben und bekannte Elemente verdeutlichen, ergänzen oder näher beleuchten. Dahingegen verdeutlichte George Lucas immer wieder seine ablehnende Haltung zum Erweiterten Universum und erklärte, dass viele Elemente nicht zu seiner ursprünglichen Vision der Weltraumsaga gehören. Dabei war Lucas selbst an einigen Projekten des Erweiterten Universums beteiligt, darunter beispielsweise die Fernsehproduktion Ewoks – Die Karawane der Tapferen, das multimedial vertriebene Videospiel The Force Unleashed oder die animierte Fernsehserie The Clone Wars. Auch wenn Lucas selbst geteilter Meinung über die Relevanz des Erweiterten Univerums für einen kohärenten Kanon war, unternahmen verantwortliche Redakteure bei Lucasfilm ab den 1990er-Jahren beträchtliche Anstrengungen, um sämtliche Star-Wars-Geschichten in einem Kanon anzuordnen, der als Maßstab für künftige Projekte galt. Fortan wurden lizenzierte Geschichten dahingehend überprüft, ob sie sich in den bisherigen Kanon einfügten und diesen sinnvoll ergänzten. Eine Kontinuitätsdatenbank mit sämtlichen Charakteren und Ereignissen wurde angelegt und von Leland Chee, dem so genannten „Hüter des Holocrons“ ständig erweitert und gepflegt. Außerdem wurden in der Zeit vor der Prequel-Trilogie Restriktionen für bestimmte Zeitperioden und Themen verhängt, um sicherzustellen, dass Geschichten des Erweiterten Universums nicht mit den Ereignissen aus den Filmen konkurrieren und sich einander widersprechen. Autoren durften somit weder die Entstehung des Galaktischen Imperiums und den Untergang der Republik noch die Klonkriege behandeln. Den Schöpfern des Erweiterten Universums wurden trotzdem große kreative Möglichkeiten eingeräumt, und so entstand über die Jahre ein umfangreiches Gesamtwerk mit vielen Einzeltiteln, die mal mehr und mal weniger aufeinander aufbauen und sich über Querverweise zu einem großen Ganzen zusammenfügen. Nichtsdestotrotz kam es zu einigen Widersprüchen, die entweder auf Fehler bei der Recherche des Erweiterten Universums oder einfach auf die Tatsache zurückzuführen waren, dass sich George Lucas als ausführender Produzent von The Clone Wars bewusst über bereits etablierte Geschichten hinwegsetzte und Unstimmigkeiten in Kauf nahm. Dazu kam, dass insbesondere sehr alte Geschichten, darunter die ersten Star-Wars-Comics vom Marvel-Verlag, durch neuere Kinofilme widerlegt wurden. Ein häufig verwendetes Stilmittel, um solche Widersprüche nachträglich auszubessern, waren „Retcons“ (aus dem Englischen „retroactive continuity“, zu dt. „rückwirkende Kontinuität“). Verantwortliche bei Lucasfilm gaben hierbei Erklärungen ab, um Unstimmigkeiten doch noch in eine einheitliche Kontinuität umzumünzen und die Koexistenz zweier vermeintlich widersprüchlicher Geschichten zu gewährleisten. Eine andere Möglichkeit, den Kanon auch über Widersprüche hinweg zu definieren, war die Systematik der verschiedenen Kanon-Stufen.[1]

Vor der Kanon-Neuausrichtung im April 2014 wurde zwischen folgenden Stufen des Kanons unterschieden:

Stufe Erklärung
G-Kanon Die höchste Kanon-Stufe G (für George Lucas) umfasste lediglich die sechs Star-Wars-Filme und unveröffentlichte interne Aufzeichnungen von Lucas und der Produktionsabteilung.[1]
T-Kanon Der T-Kanon war der TV-Kanon und beinhaltete alle neueren Fernsehserien, allen voran The Clone Wars.
C-Kanon In dieser Stufe wurden so ziemlich alle Geschichten einsortiert, die von anderen Autoren geschaffen wurden, seien es Romane, Comics, Videospiele oder andere Medien. Dieser Bereich umfasste den größten Teil des Erweiterten Universums. C steht hierbei für „continuity“ (dt. Kontinuität).[1]
S-Kanon Der S-Kanon steht für „sekundär“ und wurde für älteres veröffentlichtes Material benutzt, das aus einer Zeit stammte, als noch weniger Anstrengungen für einen einheitlichen Kanon unternommen wurden. Sobald höher eingestufte Quellen Bezug auf sekundäre Inhalte nahmen, stiegen diese automatisch in den C-Kanon auf.[1]
N-Kanon Der N-Kanon war der Nicht-Kanon, dessen Geschichten meist „Was wäre, wenn…“-Themen behandeln, die als Infinities und somit von vornherein als nichtkanonisch eingestuft wurden. Sobald ganze Geschichten, Personen, Ereignisse oder ähnliches in einem anderen Werk wieder aufgegriffen wurde, änderte sich sie Kontinuität von N-Kanon zu C-Kanon.[1]
D-Kanon Als so genannter D-Kanon war der Kanon für die angekündigte aber nie ausgestrahlte Comedyserie Detours vorgesehen. Leland Chee erklärte hierzu, dass er auf der Stufe des N-Kanons stünde, der Serie aber mehr Freiheiten einräume.[2]

Kanon der Story Group[Bearbeiten]

Nachdem im Zuge der Übernahme von Lucasfilm durch den Disney-Konzern bekannt wurde, dass zu den bisherigen Filmen der Star-Wars-Sage eine Sequel-Trilogie mit den Episoden VII bis IX produziert wird, stand die Ka­no­ni­zi­tät des Erweiterten Universums zur Disposition. Als problematisch galt die Tatsache, dass das geplante Zeitfenster der neuen Filme bereits vollumfänglich durch bereits etablierte Geschichten ausgefüllt war und den Filmemachern wenig kreativer Spielraum für Abenteuer alter und neuer Helden zur Verfügung stand, wollten sie den bereits festgelegten Kanon berücksichtigen. Um auf der einen Seite den Drehbuchautoren die kreativen Freiräume zu schaffen und auf der anderen Seite dem Filmpublikum die Spannung zu bewahren, entschieden sich die Verantwortlichen bei Lucasfilm für eine Neuausrichtung des bisher bekannten Kanons. In diesem Zusammenhang wurde im April 2014 bekannt gegeben, dass das Erweiterte Universum fortan nicht mehr zum Kanon gehört. Stattdessen wird das, was bisher als Erweitertes Universum bekannt war, unter der Bezeichnung „Legends“ weiter vertrieben und steht den Autoren und Filmschaffenden für weitere Projekte und Geschichten als Inspirationsquelle zur Verfügung. Demzufolge gelten – bis auf wenige Ausnahmen abgesehen – alle bisher veröffentlichten Geschichten des Erweiterten Universums solange als unkanonisch, bis sie in neueren Werken aufgefasst oder von den Verantwortlichen bei Lucasfilm mit in den Kanon einbezogen werden. Offiziell hat der neue Kanon mit der Veröffentlichung der Animationsserie Rebels begonnen. Überdies zählen die Romane Eine neue Dämmerung von John Jackson Miller und Der Erbe der Jedi-Ritter von Kevin Hearne zu den ersten des neuen Kanons. Die bisherige Kanon-Struktur mit verschiedenen Stufen verliert damit ihre Relevanz, da nun alle weiterführenden Geschichten auf einer Stufe mit den Filmen stehen. Hierfür wurde 2013 die Lucasfilm Story Group gegründet, die sich dafür verantwortlich zeichnet, dass sich neue Geschichten in einen einheitlichen Kanon einfügen. Der Story Group gehören unter anderem der Sachbuch-Autor Pablo Hidalgo und der „Hüter des Holocrons“, Leland Chee, an.[3]

Stufe Erklärung
Kanon Zum Kanon zählen Episode I-IX, The Clone Wars und alle von der Lucasfilm Story Group abgesegneten Geschichten, die seit Einführung des neuen Kanons erscheinen. Dazu zählt insbesondere die Serie Rebels sowie alle neuen Filme, Romane, Comics und Videospiele. Alle Geschichten zählen gleichbedeutend in den Kanon, da es keine Abstufungen mehr gibt.
Legends Alle Kanon-Stufen, die bisher das Erweiterte Universum untergliederten, bestehen unter dem Legends-Banner weiter. Dies betrifft so gut wie alle Werke, die bis 2014 veröffentlicht wurden. Legends-Inhalte zählen so lange als unkanonisch, bis sie in neuen Werken aufgefasst oder von der Lucasfilm Story Group als kanonisch eingestuft werden.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]